Die Vereinsgeschichte

13-2Mit dem Namen „Bürger-Schützen-Verein für Stadt und Amt Lüdenscheid“ wurde der Verein am 16. Januar 1910 in der Gaststätte Hohe Steinert gegründet. Bereits wenige Tage später, am 30. Januar, fand dort auch die erste Mitgliederversammlung statt. Es hatten sich bereits über 1000 Mitglieder in die Mitgliederlisten eingetragen. Die erste Satzung wurde verabschiedet. Gustav Gehrke übernahm den Vorsitz; sein Stellvertreter wurde Georg Uhle. Noch im selben Jahr, nämlich vom 6. bis 8. August, fand das erste Schützenfest in den Räumen der Hohen Steinert statt, das mit einer Volksbelustigung auf der Weide von Bauer Püttmann verbunden war. Als Festsaal diente damals der Saal der Gaststätte „Hohe Steinert“. Das imposante Gebäude wurde leider 1968 abgerissen. Heute stehen dort an der Ecke Heedfelder Straße / Am Weiten Blick zwei Hochhäuser. Ein harter Schlag traf den jungen Verein ein Jahr später, weil 1911 die

Abhaltung eines öffentlichen Schützenfestes behördlich verboten wurde.

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Es fanden nur interne Feierlichkeiten statt, bei denen die Vereinsfahne geweiht wurde. Für den Schießsport

entstand 1912 im Steinbruch bei Heerwiese der erste provisorische Schießstand. Im Jahr darauf gab der

Vorsitzende Gustav Gehrke sein Amt ab. Zu seinem Nachfolger wählte dieGeneralversammlung am 13. April 1913 den bisherigen zweiten Vorsitzenden Georg Uhle und bestellte Wilhelm Blöcher zum zweiten Vorsitzenden.

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Dem Vorstand gehörten folgende Mitglieder in der nachstehenden Reihenfolge an:

  • Gutsverwalter Georg Uhle, Oedenthal (Vorsitzender)
  • Bauunternehmer Wilhelm Blöcher, Lüdenscheid (Stellv. Vorsitzender)
  • Fabrikarbeiter Fritz Schlömer, Lüdenscheid (Schriftführer)
  • Komis Emil Haarmann, Lüdenscheid (Stellv. Schriftführer)
  • Uhrmacher Paul Denninghaus, Lüdenscheid (Rendant) Kasse
  • Fabrikarbeiter Theodor Hohage, Lüdenscheid (Stellv. d. Rendanten)
  • Bierverleger August vom Hofe, Lüdenscheid (Beisitzer)
  • Wirt und Landwirt Eduard Spelsberg, Heerwiese (Beisitzer)
  • Portier H. Hellwig, Lüdenscheid (Beisitzer)
  • Graveur August Köcker, Heerwiese (Beisitzer)
  • Fabrikant August Fromm, Lüdenscheid (Beisitzer)
  • Gutspächter Wilhelm Schönenberg, Oedenthal (Beisitzer)

 

Am 16. Januar 1913 wurde der Verein in das Vereinsregister unter Nr. 19 eingetragen. § 2 der damaligen Satzung hatte folgenden Wortlaut:

„Der Verein bezweckt, Frohsinn und Eintracht durch althergebrachte Sitten

und Gebräuche in der Bürgerschaft zu beleben und unter Ausschluss jedweder

religiöser und politischer Bestrebungen die Liebe zu Kaiser und Reich zu fördern

und zu festigen.“

Es herrschte zu dieser Zeit offenbar ein energischer Ton, um die ordnungsgemäße Vereinstätigkeit sicherzustellen. Das machten die Bestimmungen über die Aufrechterhaltung der Ordnung deutlich, wie im § 18 der damaligen Satzungfestgelegt war:

 

  1. Den Anordnungen des Vorsitzenden ist in allen Versammlungen
    unbedingt Folge zu geben.
  2. Entsteht bei Festlichkeiten durch irgendwelche Umstände eine Lücke in der einen oder anderen Kommission, so kann der Vorsitzende diese Lücke durch „Abkommandieren“ anderweitig ausfüllen.
  3. Allen vereinsdienstlichen Befehlen des Vorgesetzten muss sofort Folge gegeben werden.
  4. Mitglieder und Vorstandsmitglieder, welche die Verhandlungen durch ungebührliches Betragen stören, oder gegen die Bestimmungen verstoßen, können auf Geheiß der Vorsitzenden aus dem Lokal bzw. vom Platz entfernt werden.
  5. Wegen Nichtbefolgung von Befehlen und gegen ungerechte Befehle ist Beschwerde innerhalb drei Tagen beim Vorsitzenden zulässig und hat die nächste Vorstandssitzung darüber zu entscheiden.

 

Während des Weltkrieges 1914 bis 1918 ruhte die offizielle Vereinsarbeit. Intern ging sie jedoch weiter. So wurde am 7. August 1914 zur Linderung der ersten Not der Hinterbliebenen der Stadt Lüdenscheid eine Spende von 1.000 Mark und dem Amt Lüdenscheid von 500 Mark überwiesen. Darüber hinaus zeichnete der Verein Kriegsanleihen über insgesamt 5.000 Mark. An die Witwen der im Krieg gefallenen Mitglieder wurde ein Betrag von 10 Mark ausgezahlt. Am 21. April 1917 wurde beschlossen, keine Beiträge mehr einzuziehen. Unter diesem Protokoll standen die Namen Georg Uhle und Erwin Zapp. Unterschriften auf Vollmachtserklärungen wurden auch vom damaligen Feldtruppenteil der Unterzeichner beglaubigt.

Mit den Finanzen und vor allem dem Vermögen sah es natürlich zu dieser Zeit bescheiden aus. Am 20. April 1918 war eine Generalversammlung bei Zapp, hier wurde das Vermögen wie folgt aufgeführt:

 

Kriegsanleihe 7.000,00 Mark

Sparguthaben 1.968,89 Mark

Bar 51,68 Mark

Utensilien 2.300,00 Mark

Gesamtvermögen 11.320,57 Mark

 

 

Also eine kriegsbedingte Dezimierung und die 7.000 Mark mussten à fonds perdu gebucht werden. Im Jahr 1919 begann ein vollkommen neuer Anfang. Es fand bereits wieder ein Schützenfest auf dem Zappschen Gelände statt. Am 5. Februar 1920 genehmigte die Mitgliederversammlung einstimmig den Ankauf eines 30 Morgen großen Geländes Am Gölling zur Anlegung eines eigenen Festplatzes. Der Kaufpreis wurde durch Anteilscheine aufgebracht. Dank der ständig zunehmenden Mitgliederzahl waren schon drei Wochen nach der Genehmigung 62.600,- Mark durch Anteilscheine für den Kaufpreis gezeichnet. Auf dem neuen Festplatz fand erstmalig 1921 ein Schützenfest statt. In Verbindung damit wurde am 8. August 1921 durch Herrn Amtsbürgermeister Krumm die auf dem Festplatz errichtete Festhalle eingeweiht. Sie hatte weitere 63.115,39 Mark gekostet. Die Festhalle auf dem Festplatz wurde 1922 durch einen Küchenanbau erweitert. Es folgte die Inflation mit ihrem Höhepunkt im Jahr 1923. Ein Eintrittsgeld bei Neuaufnahmen betrug zum Beispiel 20.000,- Mark. Dennoch stieg die Mitgliederzahl auf 1.620 an. War der Kassenbestand Ende 1922 noch bei 587,67 Mark, so erhöhte dieser sich durch die Inflation bis zum 14. September 1923 auf 10.923.000.717,27 Mark. Nach der Inflation ging es weiter bergauf. In den Jahren 1924/25 erfolgten Bau und Erweiterung eines neuen Schießstandes. Die Aufbauarbeit wurde im Wesentlichen beeinflusst durch den großen Einsatz des am 25. Januar 1925 gewählten ersten Schriftführers Ernst Höllermann. Zum Schützenfest 1925 traten die Schützen erstmalig in einer Schützen-Uniform auf. Am 23. Januar 1925 meldete sich der Verein beim Südwestfälischen Schützenbund als Mitglied an. Auch wurde er am 25. Februar 1926 Mitglied im Sauerländischen Diopter-Schützenverband. Ein weiterer Meilenstein war der 27. März 1927. An diesem Tag wurde der Grundstein zum Bau eines eigenen Schützenheimes gelegt, das bereits am 1. Oktober 1927 feierlich eingeweiht und eröffnet wurde.

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In der Mitgliederversammlung 1927 trat der langjährige Vorsitzende, Georg Uhle,zurück. Nachfolger wurde der bisherige zweite Vorsitzende, Wilhelm Blöcher. Neuer zweiter Vorsitzender wurde Albert Theinert. Georg Uhle wurde der erste Ehrenvorsitzende des Vereins. Der BSV nahm einen blühenden Aufschwung.

Erste Aufzeichnungen aus den Archiven über Aktivitäten der Jungschützen gab es Anfang der 30er Jahre. Ca. 1935 wurde erstmals auch ein Jungschützenkönig im Bürger-Schützen-Verein gekürt. Die  Jugendabteilung war sportlich schnell erfolgreich. So gab es Ende der 30er Jahre Bierkrüge als Auszeichnung erfolgreicher Sportschützen.

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Einen herben Rückschlag gab es 1936. Der Verein wurde gezwungen, sein Festgelände zum Kasernenbau abzugeben. Das Schützenfest 1936 wurde deshalb nur in einem kleinen Umfang auf dem Gelände der Gastwirtschaft Zapp gefeiert. Anstelle des bisherigen, ebenen Festplatzes, der auch häufig den Grünewalder Fußballern als Spielfeld diente, wurde dem BSV ein neuer Platz an der heutigen Heedfelder Straße zugewiesen, der auf mehrere Ebenen verteilt war. Man entschloss sich, auf diesem Gelände um das Schützenheim herum einen neuen Festplatz anzulegen, der bereits 1937 genutzt wurde.

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Eine Zäsur gab es in der Mitgliederversammlung am 3. April 1937. Es musste eine neue Satzung verabschiedet werden, die das angeordnete „Führerprinzip“ einführte. Dadurch wurde der Vorstand verantwortlich ganz auf den Vereinsführer,also auf das Führerprinzip damaliger Observanz abgestellt.  Damit war die befohlene Gleichschaltung im nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen vollzogen. Der bisherige Vorsitzende Wilhelm Blöcher blieb Vereinsvorsitzender. Es schloss sich in den Jahren 1938/39 ein reges Vereinsleben mit großen Erfolgen der Sportschützen und glänzenden Schützenfesten an. Unterbrochen wurde alles am 1. September 1939 durch den Kriegsausbruch. In den Kriegsjahren 1939 – 1945 wurde das Vereinsleben zwar in sportlicher und, soweit wie möglich erlaubt, auch in geselliger Hinsicht aufrechterhalten. Es litt jedoch sehr stark unter der Abwesenheit vieler Schützenkameraden. Das Vereinsvermögen wurde durch die zurückgebliebenen Vorstandsmitglieder gehegt und gepflegt.

Am 15. Juni 1940 musste die Einheitssatzung des Reichsbundes für Leibesübungen eingeführt werden. Der „Vereinsführer“ Wilhelm Blöcher zeigte am 12. Februar 1941 dem Amtsgericht an, dass er Hugo Schmidt zu seinem Stellvertreter ernannt hatte. Nach dem Zusammenbruch 1945 wurde der Verein zunächst durch die Militärregierung aufgelöst. Das Mobiliar, das Schützenheim und die Schießstände wurden beschlagnahmt; noch vorhandene Sportwaffen zerstört. Am 30. April 1947 folgte zur Vereinsregister-Eintragung Nr. 19 eine Mitteilung, unterzeichnet vom Wilhelm Blöcher und Hugo Schmidt. Sie enthielt folgende, die weitere Vereinsverwaltung betreffende Feststellung:

 

„Seit dem Zusammenbruch im April 1945 haben wir unsere Tätigkeit als Vereinsführer

nicht mehr ausgeübt. Damit aber noch eine weitere Vertretung für

den Verein vorhanden war, haben wir im August 1946 unsere Befugnisse an die

Schützenkameraden Arthur Hellwig, Wehberger Strasse 35 und Paul Schmidt,

Frankenstrasse 20, abgetreten. Wir bitten unsere Namen im Vereinsregister zu

löschen und oben genannte Herren zu veranlassen, dass ein neuer Vorstand

gewählt wird“.

 

Mit Schreiben vom 5. Juni 1947 bestätigte das Property Control Branch Office die Bearbeitung der Angelegenheit, und am 17. Juli 1947 wurde Arthur Hellwig von dieser Stelle für den Verein als Treuhänder bestellt. Er verwaltete verantwortungsbewusstund umsichtig zunächst alleine und dann, nach der Neugründung des Vereins im Jahre 1949, zusammen mit dem gewählten Vorstand das Vereinsvermögen, bis es im Jahre 1951 wieder freigegeben und auf den neuen Verein übertragen wurde. Am 10. März 1949 erfolgte die Neugründung des Bürger-Schützen-Vereins für Stadt und Amt Lüdenscheid durch 11 ehemalige

Mitglieder des alten Vereins und 2 neue Mitglieder, und am 20. Mai 1949 erhielt der Verein die Genehmigung durch die damalige Militär-Regierung. Der Vorstandsetzte sich wie folgt zusammen:

 

  • 1. Vorsitzender Carlo Nillius
  • 2. Vorsitzender Heinrich Blöcher
  • 1. Kassierer Ernst Dreyer
  • 2. Kassierer Paul Schmidt
  • 1.Schriftführer Albert Kreiskorte
  • 2. Schriftführer Alfred Boucke

Der Bürger-Schützen-Verein war somit wiederauferstanden. Folglich konnte die Hohe Steinert ihre Tore zum Schützenfest öffnen, das an den Tagen vom 20. bis 22. August 1949 bei herrlichstem Wetter gefeiert wurde. Ein gutes Omen und einverheißungsvoller Neubeginn zugleich, beendete es doch auch die zehnjährige Regentschaftsperiode des Königs Ewald I Bode. Dazu darf folgendes eingeflochten werden: Wie sehr die Zeit mit ihren Erschütterungen die Geschichte des Bürger-Schützen-Vereins für Stadt und Amt Lüdenscheid getroffen hatte, wird vor allem deutlich, wenn man sich die Königsliste aus den zurückliegenden Jahren näher ansieht. Sie verzeichnete von 1910 bis 1949, in neununddreißig Jahren also, nur fünfundzwanzig Königsnamen, von Wilhelm vom Hofe bis Rudi Weigand. Nun, hier spiegeln sich die Auswirkungen der beiden großen Kriege in ihrer folgenschweren Tragik wider. Es gab beim Feiern des Schützenfestes auf der Hohen Steinert langjährige Unterbrechungen (1913 bis 1919 und 1939 bis 1949). Das erklärt die nur 25 Majestäten in nahezu vierzig Jahren. Wenn einVerein so viele Rückschläge überwindet und dann die Kraft findet, sich wieder unentwegt, getragen von dem alten Geist schützenkameradschaftlicher Hingabe und Verbundenheit, erneut zu stattlicher Größe emporzuentwickeln, dann ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass im Gros seiner Mitgliedschaft ein gesunder Kern steckt. Andererseits beweist es auch wohl, dass die Proklamation seiner Zielsetzung, die Liebe zu Natur und Heimat zu fördern und Frohsinn und Eintracht zu pflegen, nicht Schall und Rauch, sondern immer beschwingende Wirklichkeit waren.

Nach der Neugründung des Bürger-Schützen-Verein Lüdenscheid e.V. im Jahre 1949 sollte auch wieder ein Spielmannszug den Verein begleiten. Damals war es Otto Lüsebrink, der diese Idee aufgriff und versuchte, mit den noch vorhandenen Flöten und anfangs ohne Trommeln neue Spielleute zu begeistern.Vergleichbar mit der Aufbauphase der deutschen Wirtschaft ging es damals auch im Spielmannszug unter der Leitung seines ersten Tambourmajors Otto Lüsebrink ständig bergauf, so dass man schon bald größere Aufgaben bewältigen konnte.Der erste Schicksalsschlag traf den Spielmannszug im Jahr 1958 mit der Erkrankung von Otto Lüsebrink, wonach der Spielmann Fredo Abshoff zunächst inoffiziell die musikalische Leitung übernahm. Als Otto Lüsebrink 1961 verstarb, wurde Fredo Abshoff offiziell und mit Einwilligung des Vorstandes zum Tambourmajor ernannt. Ab 1962 leiteten dann die Kameraden Fredo Abshoff und Gerhard Müsch gemeinsam den Spielmannszug.Nachdem bereits viele Kameraden verstorben oder aus Altersgründen ausgeschieden waren, entschloß man sich 1975, eine Jugendgruppe zu gründen. Bereits ein Jahr später hatte diese Jugendgruppe ihren ersten Auftritt. Dass die damalige Entscheidung richtig war, erkennt man noch heute daran, dass einige aus dieser Jugendgruppe hervorgegangenen Spielleute mittlerweile wiederum den heutigen Nachwuchs unterrichten.Auch Fredo Abshoff wurde nicht von Krankheiten verschont und man ernannte ihn 1983 nach 25jähriger Stabführung zum Ehrentambourmajor. Sein Nachfolger wurde 1983 Edwin Krummel, der zehn Jahre zuvor als Jugendlicher zum Spielmannszug gekommen war. Gerhard Müsch, der 1985 die Auszeichnung zum Ehrentambourmajor erhalten hatte, stand ihm bis zum Jahre 1989 als Geschäftsführer zur Seite und übernahm außerdem noch sporadisch die Stabführung. Im Jahr 1990 löste der Spielmann Ralph Schuster den scheidenden Kameraden Gerhard Müsch als Geschäftsführer ab.Der langjährige Spielmann Peter Rodtmann wurde 1993 zum stellvertretenden Tambourmajor von Edwin Krummel ernannt. Zudem trat Guy Verschueren 1993 dem Spielmannszug bei, was sich noch als außerordentlicher Glücksfall erweisen sollte. Denn dieser Spielmann hat zum einen eine langjährige musikalische Ausbildung absolviert, zum anderen komponiert er selber Märsche und spielt zudem noch Trommel, Querflöte, Pauke, Becken und Lyra. Zusätzlich befasst er sich mit der musikalischen Weiterbildung der Spielleute.1993 wurden endlich die langersehnten neuen Uniformen angeschafft. Der Spielmannszug selber wurde durch etliche Neuzugänge verstärkt, so dass man zum BSV-Schützenfest im Jahr 1994 bereits erstmals mit fünf Ivren auftreten konnte.Nach dem BSV-Schützenfest 1997 verließ Tambourmajor Edwin Krummel aus persönlichen Gründen den Spielmannszug. Er schlug Erwin Schiemann als seinen Nachfolger vor, der dieses Amt jedoch nur wenige Monate ausübte. Danach wurde Guy Verschueren einstimmig zum Tambourmajor gewählt.Im Jahr 1998 wurde Claudia Wilkens zum stellvertretenden Tambourmajor gewählt. Christiane Uhlemann übernahm das Amt der Jugendleiterin. Anfang 1999 hat der Spielmannszug seine Kindergruppe gegründet, die seitdem jeden Samstagnachmittag unter der Leitung von Christiane Uhlemann übt.Weitere Anerkennung ist dem Spielmannszug kurz vor dem Schützenfest im Jahre 1999 durch die Erhebung in den Rang einer Kompanie zuteil geworden. Guy Verschueren ist Kompanieführer und Claudia Wilkens seine Stellvertreterin.Donnerstag, der 23.09.1999, war das offizielle Datum des 50. Jubiläums des Spielmannszuges, das jedoch am Samstag, dem 25.09.1999, gefeiert wurde. Zu diesem Anlass waren alle Ehemaligen, Freunde und Bekannten herzlich eingeladen, ab 17.00 Uhr im Festsaal Hohe Steinert mit dem Spielmannszug dieses Jubiläum gemeinsam zu feiern.Bei der Gestaltung des Festprogramms wirkten mit:• Musikband „Chicken and Rabbit“ (Dixiemusik) aus Belgien• Spielmannszug Tura „Frisch Auf“ Eggenscheid unter der Ltg. von Tambourmajor R. Fischer• Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Attendorn unter der Ltg. von Kapellmeister W. Schulte• BSV Spielmannszug unter der Ltg. von TambourmajorGuy Verschueren sowie die Kindergruppe des Spielmannszuges unter der Ltg. von Ch. Uhlemann• sowie einige ÜberraschungsgästeLeider musste der Spielmannszug mangels Nachwuchs 2004 seinen Spielbetrieb einstellen.Schade!!

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Wie bereits erwähnt, erfolgte 1951 die Freigabe und Übertragung des Vereinsvermögens. DieTreuhänderschaft von Arthur Hellwig erlosch. Der Verein war wieder Herr im eigenen Hause. Als Aufgabe für dienächsten Jahre galt es, den im April 1950 begonnenen weiteren Ausbau des Festplatzes zu vollenden. DieAufbauarbeit ging zügig voran. In den Jahren 1955 bis 1957 wurden Grundstücksbereinigungen durchgeführt.Es kam oberhalb und unterhalb des Schützenheims zum Austausch von Grundstücken mit der Bundesvermögensverwaltung. Zur damaligen Zeit wurde der Festplatz immer im Ganzen an einen Schausteller vermietet, der dann die Standplätze, die er nicht mit eigenen Geschäften bestellen konnte, an andere Schausteller weitervermietete. Vor dem ersten Weltkrieg war dies Hermann

Bonner, der selbst nur mit einer Mandelbude kam und alle anderen Plätze an seine Kollegen vermietete. Im Jahr 1949 wurde nochmals an Hermann Bonner vermietet, danach für zwei Jahre an August Isken. Diese Schausteller brachten jedoch immer nur dieselben Geschäfte ihrer Verwandten und Freunde mit, so dass man 1952 zu Karl Gräfe aus Hagen wechselte. Dieser zahlte damals eine Platzmiete von 3.000,- DM für den gesamten Festplatz. Im Verlauf der Planungen für das Schützenfest 1954 machte der damalige Platzwart Walter Linnepe den Vorschlag, jeden Standplatz einzeln vom Verein an den jeweiligen Schausteller zu vermieten, um damit mehr Geld in die Kasse zu bekommen. Dem damaligen Schatzmeister Ernst Dreyer war das Risiko zu hoch. Daraus entstand dann eine Wette: Walter Linnepe schlug vor, die Differenzen zum Doppelten der bisherigen Platzmiete aus eigener Tasche auszugleichen, falls weniger als das Doppelte der bisherigen Platzmiete eingenommen werden sollte. Sollte Walter Linnepe jedoch mehr als das Doppelte einnehmen, müsste Ernst Dreyer jeden Monat zur Vorstandssitzung eine Flasche Doornkaat ausgeben.

Nach der Abrechnung des Schützenfestes 1954 stellte man fest: der kostenlose Doornkaat zu jeder Vorstandssitzung war gesichert!

 

In diese Zeit fiel auch eine Festplatzerweiterung: Von 1954 bis 1956 schüttete man unterhalb des Schützenheims einen neuen Platz auf, auf dem 1956 zum ersten Mal das Festzelt aufgebaut wurde. 1954 erhielten erstmals auch die Damen Einzug in denSchützenverein. Erich Glörfeld und Helmut Wigginghaus gründeten die erste Damenschießgruppe im heimischen Raum. 25 Jahre lang leitete Tinni Wigginghaus als erste Damenleiterin die Gruppe.

 

Am 19. November 1955 war die Mitgliederversammlung, in der die organisatorischen Änderungen und die notwendig gewordene Satzungsneufassung beschlossen wurden. Allgemein bedauert wurde, dass sich Carlo Nillius, der verdienteNachkrieg-Vorsitzende für viele Jahre, in der Jahreshauptversammlung am 8. März 1958 wegen Berufsüberlastung und schlechten Gesundheitszustandes zum Rücktritt gezwungen sah. War er doch der Spiritus Rector in der Zeit, in der es das Fundament des Vereins neu zu festigen galt. Man ernannte ihn zum Ehrenvorsitzenden und wählte den bisherigen zweiten Vorsitzenden, Albert Kreiskorte, zum ersten und Gerhard Höllermann zum zweiten Vorsitzenden. Was im Allgemeinen über die Wiederingangsetzung des Vereinslebens nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges und der damit verbundenen innerstaatlichen Neuordnung bereits gesagt worden ist, galt im Besonderen auch für den Schießsport. Ohne die Idealisten und die unerschütterlichen Aktivisten wäre es nicht möglich gewesen, auch diesen Sektor schnell wieder aufzubauen. Waren es in den Anfängen des sportlichen Schießens nur Luftgewehre ohne gezogenen Lauf oder Bolzenbüchsen, mit denen die Aktivisten trainieren konnten, so wirkte sich hier die wirtschaftliche Entwicklung in ihrer emporstrebenden Tendenz günstig aus. Sie trug dazu bei, dass statt der einfachen Gewehre wieder Sportwaffen zur Verfügung gestellt werden konnten, mit denen das „geübte Auge“ etwas anfangen konnte. Dass unsere Schützen es verstanden, mit diesen Waffen

zu schießen, bedarf nicht des Beweises. Es würde auch zu weit gehen, es im Einzelnen darzulegen, so dass wir uns auf eine zusammenfassende Würdigung beschränken können. Bereits 1957 machte sich der BSV zusammen mit weiteren Schützenvereinen aus Lüdenscheid und Umgebung für einen Zusammenhalt der Schützen stark und wurde Mitbegründer der IGSLU, der Interessengemeinschaft Schützenvereine in Lüdenscheid und Umgebung. Vor allem in der heutigen Zeit profitieren alle Vereine von dieser Gemeinschaft, die manchen Vereinen erst das Leben ermöglichen. Das Schützenheim wurde 1958 an- und umgebaut. Die erste Kegelbahn wurde errichtet, und es wurden überdachte Luftgewehr- und Zimmerstutzenschießstände geschaffen. Das Vereinsleben nahm wieder einen guten Aufschwung.

 

Die alte Schießsportanlage entsprach nicht mehr den strenger werdenden Sicherheitsvorschriften. Deshalb wurde in den Jahren 1962/63 der alte Schießstand abgebrochen und ein vollkommen neuer,  Vorschriftsmäßig mit Hoch- und Seitenblenden,gebaut. Mit einem großen Festakt wurde er am 18. April 1964 eingeweiht. Der neue Schießstand verfügte über 10 vollautomatische Schießbahnen von 50 Metern Länge und weiteren fünf Ständen mit einer Schießdistanz von 100 Metern. Im Jahr 1963 war zum ersten Mal eine kleine Abordnung der Tiroler Schützen aus Amras bei Innsbruck mit ihrem Hauptmann Hermann Wanker in Lüdenscheid zu Gast; dies sollte zu einer langen und intensiven Freundschaft führen.

In den 60er Jahren wurde darüber hinaus der Platz in erheblichem Umfang ausgebaut und erweitert. Dort wurden Straßen angelegt, eine elektrische Versorgungsanlage gebaut und Wasseranschlüsse und Kanalisation geschaffen. Dies ging einher mit dem Wechsel des Schützenfesttermins vom August auf den Mai eines jeden Jahres. Seit 1963 feiert der BSV sein jährliches Schützenfest 10 Tage lang, beginnend jeweils am letzten oder vorletzten Wochenende im Mai, und zwar jeweils so, dass in der darauf folgenden Kirmeswoche ein Feiertag – entweder Himmelfahrt oder Fronleichnam – liegt. Seitdem darf der Verein stolz die „Größte Kirmes des Sauerlandes“ sein eigen nennen. In den sechziger Jahren wurde mit dem Bau der Autobahn Sauerlandlinie begonnen und die Heedfelder Straße wurde als Autobahnzubringer begradigt und verbreitert. Wieder traf es den BSV, der einen großen Teil seines Festplatzes an das Landesstraßenbauamt verkaufen musste. Von diesem Verkaufserlös kaufte der BSV dann von der Familie Meusen in der Grebbecke ein Waldstück, das an den Schützenplatz angrenzte. Dieser Wald wurde gerodet und der Schützenplatz weiter angeschüttet. Gleichzeitig wurde der Rest des alten Festplatzes an der Heedfelder Straße abgetragen; die Straße, die von der Hohen Steinert in die Grebbecke führte, zugeschüttet, und die Ebenen des Festplatzes begradigt und miteinander verbunden. Weiteres Gelände konnte durch einen Grundstücksatausch hinzugewonnen werden, bei dem sich der Schützenkamerad Artur Hellwig mit einer großzügigen Spende besonders verdient machte. Von vielen Schützenkameraden wurde freiwillig an den Wochenenden und nach Feierabend derneue Schützenplatz erstellt. An dieser Stelle sei stellvertretend für alle der Name Fritz Borcherding genannt. Er, ein lebendes Beispiel für Beharrlichkeit, war es, der in erster Linie auf Erweiterung und Begradigung des Festplatzes drängte und damit die großen Erfolge des BSV in den Folgejahren erst ermöglichte. Der damalige Platzausschuss bestand übrigens aus dem Triumvirat Bo-Li-Schmi, dem Presse- und Sozialwart Fritz Borcherding, dem Platzwart Walter Linnepe und dem Sportleiter Heinz Schmidt.

Im Sommer 1967 war der jetzige Ehrenvorsitzende Dr. Heinz (Harrry) Schwald beruflich in Stadthagen im Schaumburger Land. Dort erlebte er das historische Schützenfest mit Festzug. Alle Teilnehmer trugen traditionell einen schwarzen Anzug mit Zylinder und ein Holzgewehr. Dr. Schwald nahm Kontakt auf mit Wilhelm Matthias und Erich Bartelsmeier vom Schützenbund Stadthagen. Die Idee war geboren, dass man sich gegenseitig mit einer Abordnung zum Schützenfest besuchen wolle. 1968 kam die erste Abordnung aus Stadthagen zum Schützenfest nach Lüdenscheid, und 1969 erfolgte der Gegenbesuch einer BSV-Abteilung aus Lüdenscheid. Die Rottfeier findet immer im Lindenrott statt. Dieser Rhythmus wird bis heute beibehalten. Die kommunale Gebietsreform und der Zusammenschluss der Gemeinde Lüdenscheid Land mit der Stadt Lüdenscheid führten dazu, dass der Verein schließlich am 12. November 1971 seinen Namen änderte. War es bisher der Bürger-Schützen-Verein für Stadt und Amt Lüdenscheid, so nannte er sich in der Zukunft und bis heute: Bürger-Schützen-Verein e.V. Lüdenscheid.

In der folgenden Mitgliederversammlung im November 1972 trat der verdienstvolle und hochgeschätzte 1. Vorsitzende Albert Kreiskorte nicht mehr zur Wiederwahl an. Er hatte seit 1958 die Geschicke des Vereins in unnachahmlicher Weise geführt und den Verein zu hoher Blüte gebracht. Sein Nachfolger wurde Gerhard Höllermann. Neuer 2. Vorsitzender wurde Dr. Heinz Schwald, genannt „Harry“. Eine Modernisierung der Satzung erfolgte noch in der Mitgliederversammlung am 8. Februar 1974. Die verabschiedete Fassung ist bis auf eine kleine redaktionelle Anpassung bis heute noch gültig. Weitere Vergrößerungen und Ausbauten am Festplatzgelände wurden in den folgenden 70er Jahren angelegt. Eine neue elektrische Versorgungsanlage, Wasseranschlüsse und eine Kanalisation wurden geschaffen. Die Letztere musste nach rund 15 Jahren erheblich ausgeweitet und umgebaut werden – so schnelllebig waren die Zeitläufe. Das Schützenheim wurde erneut umgebaut. Die alte Kegelbahn erhielt eine Überholung und wurde automatisiert. Ein Anbau wurde vorgenommen, der 1980 als Pistolenschießstand in Betrieb genommen wurde. Damit verfügte der BSV über eine der modernsten Schießsportanlagen in Südwestfalen und wurde durch den Westfälischen Schützenbund zum Bezirksleistungsstützpunkt erklärt. Auch durch diese Maßnahme der Vereinsführung erfuhren der Schießsport und insbesondere die Jugendarbeit eine weitere positive Entwicklung. Das Feuerwerk zum Schützenfest im Jahr 1980 musste, bedingt durch die eingeführte Sommerzeit, später beginnen. Seitdem findet es regelmäßig um 22.30 Uhr am Eröffnungsabend – dem Freitag – und am letzten Abend – dem Sonntag – statt. Das Jahr 1981 brachte ein Novum. Erstmals fand der Königsball im neuen Lüdenscheider Kulturhaus statt. Zu diesem Jubiläum ließ sich das Goldkönigspaar, Ernst und Hermine Dreyer, besonders feiern. Das seltene Jubiläum verschönte nicht nur den Königsball, sondern auch das vorausgegangene Schützenfest. Die 20-jährige Schützenfreundschaft mit Tiroler Schützenkompanien stand im Mittelpunkt des Jahres 1983. Dagegen musste 1984 der Hauptfestzug am Sonntag der Witterung wegen abgekürzt werden. Festbetrieb und insbesondere das Jägerkonzert – die Schließung des Zeltes wegen Überfüllung wurde erwogen – machten dieses Jahr zu einem Haupterfolgsjahr des Vereins.

Das Jubiläumsjahr 1985 hatte eine Besonderheit: Hans-Dieter Höllermann gestaltete ein 1 x 1 Meter großes Nagelbrett mit demBSV-Wappen, das mit farbigen Nägeln ausgefüllt wurde, die zum Preis von einer D-Mark pro Stück erworben werden konnten. Der Erlös wurde der Aktion Sorgenkind zur Verfügung gestellt. Dieses Nagelbrett ist noch heute im Treppenabgang zu den Schießständen und zur Kegelbahn zu bewundern. Den Festvortrag zum 75sten Jubiläum hielt Landrat Dr. Walter Hostert. Erstmals im Jahr 1985 gab es auf dem Festplatz am Dienstag einen Familientag mit ermäßigten Preisen. Weit über 100 Schausteller schmückten mit ihren Geschäften den Festplatz. Ebenfalls 1985 errang der BSV-Schütze Jörg Späinghaus einengroßen sportlichen Erfolg. Er wurde Landesmeister des Westfälischen Schützenbundesmit der olympischen Schnellfeuerpistole. Mehrere Landestitel errangen im gleichen Jahr auch die Bogenschützen des BSV.1987 wurde zum ersten Mal das Matjesfest gefeiert.

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Die Idee von Walter Linnepe wurde zu einem großen Erfolg, der sich in den nächsten Jahren noch steigerte. Der Clou war, dass die jungfräulichen Matjesheringe fangfrisch einen Tag vor dem Matjesfest aus Holland geholt wurden und somit frisch verzehrt werden konnten, ohne lange eingelegt zu werden. Den Damen der Damenschießgruppe, die den Matjesverkauf übernommen hatten, wurden die leckeren Fische nur so aus der Hand gerissen, und am Sonntagmittag war der ganze Bestand verkauft. Dies sollte sich trotz einer stetigen Erhöhung der eingekauften Mengen auch in den Folgejahren nicht ändern.Die Idee des Matjesfestes entstand allerdings aus einer Notsituation heraus, die für den BSV einen herben Rückschlag bedeutete. Nach dem plötzlichen Tod des bis dahin amtierenden 1. Vorsitzenden, Sparkassendirektor Gerhard Höllermann, sah sich der BSV mit einem Schuldenberg von 1,4 Millionen D-Mark konfrontiert. Die Recherchen von BSV, Sparkasse und Staatsanwaltschaft ergaben, dass Gerhard Höllermann, ohne Wissen seiner Vorstandskollegen und seiner Familie, über lange Jahre hinweg Kredite auf den Namen des BSV aufgenommen hatte, ohne diese Gelder der BSV-Kasse zuzuführen. Ihre private Verwendung durch Gerhard Höllermann liegt bis heute im Dunkeln. Da er die Kredite nur mit Hilfe der Aufnahme neuer Kredite zurückzahlen konnte, summierte sich dies im Laufe der Jahre zu dem oben genannten Schuldenberg. Dies alles war nur möglich, weil die Satzung des BSV eine Alleinvertretung durch den 1. Vorsitzenden vorsah, und Gerhard Höllermann als Sparkassendirektor hohes Ansehen in der Bevölkerung, aber auch bei allen

Banken besaß. Nur durch das beherzte Handeln des BSV-Vorstandes, vor allem seiner beiden neu gewählten Vorsitzenden Dr. Heinz Schwald und Walter Linnepe, konnte ein Gang zum Konkursrichter

abgewendet werden. Besonderer Dank gebürte hier auch den beiden Rechtsanwälten Jürgen Dietrich,

damals auch der amtierende Bürgermeister, und Dr. Klaus Prinz, die dem BSV in den harten und zähen Verhandlungen mit den acht Gläubigerbanken zur Seite standen. Ein Vergleich konnte erzielt werden: Der BSV übernahm „nur“ DM 300.000 der aufgelaufenen Schulden. Da der BSV aufgrund der Situation

wenig kreditwürdig war, bestanden die Gläubigerbanken jedoch auf eine sofortige Zahlung dieser Summe. Dies konnte nur durch Kredite der Sparkasse Lüdenscheid, der Privatbrauerei Thier in Dortmund und des Westfälischen Schützenbundesgeschehen. Auch diesen drei Institutionen, die in schweren Zeiten dem

BSV zur Seite standen, gebührt besonderer Dank. Aber auch aus der Bevölkerung und der Industrie Lüdenscheids erhielt der BSV große Unterstützung durch viele große und kleine Spenden, die sein Überleben sicherten. Die größte Einzelspende einer Privatperson kam von Horst Hellerforth, der über zehn Jahre verteilt insgesamt 100.000 D-Mark spendete. Auch die Stadt Lüdenscheid spendete über die Sparkasse Lüdenscheid und die Stadtwerke Lüdenscheid im Laufe der nächsten zehn Jahre hohe Summen. Hier gilt besonderer Dank dem seinerzeitigen Bürgermeister Jürgen Dietrich und dem Kämmerer Dr. Jürgen Schmitz. 1987 errangen Hans-Georg Ritter und Jörg Späinghaus Landesmeistertitel für die Sportschützen. Die Fahnenschwenkerabteilung des BSV richtete im selben Jahr die Deutschen Meisterschaften im Fahnenschwenken in Lüdenscheid auf dem Schützenfest aus. 1989 brachte auch wieder einen besonderen Erfolg: Der BSV wurde Jugendkreismeister sowohl in der Einzelwertung durch Carsten Willkomm als auch in der Mannschaftswertung. Das Osterfeuer wurde ein Riesenerfolg. Rund 3.000 Gäste besuchten den Festplatz des BSV und das größte Osterfeuer in Lüdenscheid. Leider musste die Tradition in den Folgejahren abgesagt werden, da die Umweltschützer bemängelten, dass Einweg-Paletten für den Aufbau des Osterfeuers Verwendung fanden. Erstmals im Jahr 1989 konnte auch die große Konzertorgel nicht mehr auf dem Rathausplatz aufgestellt und betrieben werden, da die Anlieger sich über den „Lärm“ beschwerten, obwohl bereits in den Vorjahren der Betrieb nur auf bestimmte Zeiten und Pausen beschränkt worden war.

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Leider gingen damit zwei lieb gewonnene Traditionen zu Ende. Auch der Vorstand wurde in den Jahren ab 1987 sukzessive „erneuert“. Nachdem im Jahre 1987 Rolf Linnepe für seinen zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählten Vater das Amt des Platzmeisters übernahm, und im Jahre 1988 Klaus Jeschke vom Vereinsjugendtag zum neuen Jugendleiter gewählt wurde, wurde im März 1989 Falko Nagler zum neuen Festwart gekürt. Im Jubiläumsjahr 1990 wurde zum 80. Geburtstag des Vereins ein Konzert im Saal des Kulturhauses veranstaltet unter dem Motto „BSV in Concert – 80 Jahre in Noten“. Musikalischer Ausrichter war der Musikzug der Feuerwehr Attendorn. Im September besuchte zum ersten Male eine Abordnung von zehn Schützinnen und Schützen des BSV New York und marschierte in der Steubenparade auf der 5th Avenue mit. Im darauf folgenden Jahr konnte der BSV zum ersten Mal eine Kornblumenkönigin aus New York zu seinem Schützenfest im Mai begrüßen. Die bezaubernde

Cindy Zorn begeisterte nicht nur die Schützen, sondern wurde auch von der Bevölkerung gefeiert und wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Im Jahr 1990 wurden neue Abwasserkanäle auf dem Festplatz verlegt, die erstmals eine Entwässerung des Schmutzwassers vom Zelt im hinteren Teil des Festplatzes ermöglichtem. Gleichzeitig wurde das Festzelt um 30 Meterweiter nach hinten gerückt, um noch mehr Platz für die „Größte Kirmes des Sauerlandes“ zu schaffen. In den nächsten Jahren wurde versucht, auch das Programm im Festzelt auf zehn Tage auszudehnen, um das Festzelt während der gesamten Laufzeit der Kirmes geöffnet zu halten. Im Jahr 1991 wurde dann am Dienstag ein Kindertag unter Leitung des Jugendamtes der Stadt Lüdenscheid ausgerichtet, und auch am Donnerstag, Freitag und Samstag des zweiten Kirmes-Wochenendes wurden Veranstaltungen wie ein Märkischer Tag veranstaltet. Jedoch wurden diese Veranstaltungen nach zwei Jahren mangels ausreichender Beteiligung wieder eingestellt, der Kindernachmittag allerdings blieb viele weitere Jahre erhalten. Die Organisation des Kindernachmittages im Festzelt wurde 1992 von Angelika Linnepe und den Frauen des Vorstandes übernommen. Es wurde erstmals eine Mini-Playback-Show veranstaltet. Auch im Jahr 1992 reiste wieder eine Abordnung des BSV, diesmal mit 12 Mitgliedern, zur Steubenparade nach

New York, und 1993 konnten wir Karin Ganz als zweite Kornblumenkönigin und Miss German America aus New York in Lüdenscheid begrüßen. Nach dem Rücktritt des verdienten langjährigen Platzmeisters und damaligen stellvertretenden Vorsitzenden Walter Linnepe übernahm Falko Nagler im Jahr 1995 dieses Amt, und Jürgen Linnepe wurde zum neuen Festwart gewählt. Von Jürgen Linnepe wurde dann auch das Festprogramm mit neuen Ideen versehen. Der früher gut besuchte Tiroler Abend am ersten Festtag war trotz Änderung in einen Bayernabend nur noch mäßig besucht, neue Wege mussten beschritten werden. Nachdem zunächst versucht wurde, den Abend unter dem Thema Tiroler Abend bzw. Bayernabend weiterzuführen, in dem man 1996 die Wildecker Herzbuben und im Jahr danach das Alpentrio verpflichtete, musste man aber erkennen, dass dieses nicht gelang. Mit einer Oldie-Night füllte man einige Jahre das Zelt gut. Bekannte Künstler wie die Lords, Chris Andrews, Harpo, die Pussycats und Dave Lee heizten am ersten Schützenfestabend das Zelt richtig ein. Doch auch dieses Thema war nach einigen Jahren nicht mehr modern. Den Oldies folgte die Country-Musik. Im Jahr 2008 war allerdings auch damit das Zelt nicht mehr zu füllen. So wurde 2009 eine Schlagernacht ins Leben gerufen. Als Stargast sorgte Tim Toupet mit seinem „Fliegerlied“ für ein gut gefülltes Zelt. Im ersten Jahr der Oldie-Night, also 1998, feierte, auch die International Police Association, Sektion Lüdenscheid, mit über 300 Polizisten mit, da sie ein Jubiläum verzeichnen konnte. Der „Bunte Abend“ am Mittwoch wurde reformiert und dank Reinhard Kröhnert konnten über viele Jahre hinweg Stars und Sternchen für den „Abend des Deutschen Schlagers“ gewonnen werden, darunter Andreas Martin, Claudia Jung, Gaby Baginski, Leonard, Sandy Wagner, Andrea Berg, Matthias Carras, Nic und viele mehr.

Da das Flachdach des Pistolenstandes seit Jahren undicht war und immer nur provisorisch abgedichtet worden war, hatte man sich bereits im Jahr 1993 dazu entschlossen, eine Etage auf den Pistolenstand aufzustocken, anstatt nur das Dach zu erneuern. Im Jahr 1995 wurde dann mit den Rohbauarbeiten eines eigenen Festsaales begonnen, und am 27. Juli 1997 konnte der neue „Festsaal Hohe Steinert“ im Rahmen einer großen Einweihungsfeier seiner endgültigen Bestimmung übergeben werden. Circa 750.000 D-Mark waren in den Jahren der Bauzeit investiert worden, hinzu kamen Eigenleistungen in Höhe von rund 350.000 D-Mark. „Bauleiter“ war neben dem Architekten während der gesamten Bauzeit der Ehrenvorsitzende Walter Linnepe, von dem auch die Idee stammte.

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Sämtliche Innenwände, alle Holzvertäfelungen innen und Holzverkleidung an den Außenwänden wurden von BSV-Mitgliedern in Eigenleistung in vielen Arbeitsstunden erstellt, und der „harte Kern“ der BSV-eigenen Bautruppe bestand zumeist nur aus acht Personen. Die Finanzierung des Bauvorhabens konnte trotz des finanziellen Debakels im Jahr 1987 zu einem großen Teil aus eigenen, vorhandenen Mitteln gestellt werde, hinzu kam ein neues Darlehen der Kronen Brauerei in Dortmund und der Verkauf von „Bausteinen“ an Spenden. Besonders stolz war man beim BSV darauf, dass man keine öffentlichen Fördermittel benötigt hatte.

Sportlich ging es für den BSV ebenfalls weiter bergauf. Immer wieder qualifizierten sich Bürger-Schützen mit dem Luftgewehr oder dem Zimmerstutzengewehr für die Deutschen Meisterschaften und holten bei den Landesmeisterschaften zahlreiche Medaillen. 1997 brachte der BSV mit Yvonne Brodrecht auch wieder ein Eigengewächs zu den Deutschen Meisterschaften nach München. Zwei Jahre später gelang dies auch Stefanie Sieverling in der olympischen Disziplin Luftgewehr, und sie belegte dabei einen hervorragenden 94. Platz. Nach dem Abzug der Belgischen Streitkräfte aus Lüdenscheid stand die Kaserne Buckesfeld in direkter Nachbarschaft zum Gelände des Schützenplatzes des BSV leer. Die Stadt Lüdenscheid plante für diesen Bereich ein Industriegebiet und die Firma Johannes Beese, Inhaberin der Hellweg-Baumarktkette, kaufte das gesamte Kasernengelände von der Bundesvermögensverwaltung und übernahm die Erschließung, den Bau und die Vermarktung dieses Industriegebietes auf ihre Kosten. Nach zähen und langwierigen Verhandlungen zwischen der Fa. Beese, der Stadt Lüdenscheid und dem BSV, der große Teile seines Festplatzes für die Umbaumaßnahmen abtrat, wurde im März 1998 ein Kompromiss erzielt. Während der BSV seine Bedingungen umgehend erfüllte, musste bezüglich der durch die Fa. Beese zugesagten zwei Rettungswege erst mit Klage gedroht werden, ehe diese dann endlich im Frühjahr 2000 fertig gestelltwaren.Der langjährige Vorsitzende des BSV, Dr. Heinz Schwald, trat im Jahr 1998 nicht mehr zur Wiederwahl an und die Versammlung wählte den bisherigen Platzmeister Rolf Linnepe zum neuen Vorsitzenden. Aufgrund seiner langjährigen Verdienste, als Beiratsmitglied seit 1961, als stellvertretender Vorsitzender seit 1972 und als Vorsitzender seit 1987, wurde „Harry“ Schwald zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zu seinem Abschied gab es von der Versammlung stehende Ovationen. Neuer Platzmeister wurde Frank Lesch. Bis 1998 wurde der Wach- und Ordnungsdienst im Festzelt vom Löschzug 9 des BSV übernommen. Seitdem übernahm diesen Dienst ein Wachschutz. Auch die Werbeplakate an den Straßen wurden nicht mehr in Eigeninitiative durch den Sportausschuss aufgestellt. Es wurde, da man die „Größte Kirmes des Sauerlandes“ nicht nur mit Lüdenscheider Besuchern finanzieren kann, in große Werbetafeln an der Autobahn und an den Zubringern und in die lokale Radiowerbung in Radio MK und weiteren Lokalsendern investiert. Die Stadtplakatierung wurde durch das Stadtmarketing übernommen, da nur noch spezielle Standorte für Werbung genutzt werden durften, um eine Plakatierung der gesamten Stadt durch zu viel Werbung zu unterbinden. In das Jahr 1998 fiel auch eine umfassende Renovierung des Pistolenstandes des BSV. Neue Sicherheitsbestimmungen verlangten eine Erneuerung der Schussfänge, der Schalldämmung an den Wänden, der Decke und des Fußbodens. Dank großer Eigenleistungen der Mitglieder des Schießausschusses unter Sportleiter Hans-Georg Ritter konnte diese Renovierung von Juni 1998 bis Februar 1999 kostengünstig abgewickelt werden. Im Februar 1999 konnte ein „neuer“ Pistolenstand den Schützen übergeben und der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Auf Vorschlag der Jugendabteilung wurden im Jahr 1999 erstmals zwei Tage der offenen Tür veranstaltet. Durch den parallel stattfindenden Trödelmarkt war der Zuspruch an interessierten Bürgern gut. Gerade die Jugendabteilung konnte die Lorbeeren ihres Vorschlages ernten: über 20 neue interessierte Kinder und Jugendliche waren an den nächsten Trainingsterminen zu verzeichnen. Und mit der Gründung einer „Blindenschießgruppe“ sorgte der BSV im Sommer 1999 für ein Novum im heimischen Schießsport. Mitglieder des Blindenvereins Lüdenscheid machten den BSV auf diese Möglichkeit des Sportschießens aufmerksam, und der BSV bot den Sehbehinderten eine sportliche Plattform, nicht ahnend, welchen großen Erfolg die Sehbehinderten den Bürgerschützen einmal bringen sollten. Das Jahr des 90 jährigen Vereinsjubiläums brachte eine 30 prozentige Erneuerung des Vorstandes mit sich: Horst Fey, seit 35 Jahren im Beirat und seit 28 Jahren Schatzmeister des BSV, ging in den verdienten Ruhestand und wurde zum Ehrenvorstandsmitglied ernannt. Gleichzeitig legte Hans-Georg Ritter, seit 28 Jahren im Beirat und seit 10 Jahren Sportleiter, sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder, und auch Jürgen Linnepe, seit 13 Jahren im Beirat und fünf Jahre lang Festwart beim BSV, stand aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Wiederwahl. Als neuer Sportleiter wurde Peter Höllermann und als neuer Festwart Reinhard Schmidt gewählt; neuer Schatzmeister wurde Jens Paga. Hans-Georg Ritter und Jürgen Linnepe wurden zu Beiratsmitgliedern bestimmt und stehen dem BSV weiter zur Verfügung. Das zehnte Jahrzehnt stand zunächst ganz im Zeichen der personellen Veränderungen und setzte sportlich Höhepunkte. Einen Amtswechsel gab es im Jahr 2001. Der bisherige Schatzmeister Jens Paga musste aus beruflichen Gründen sein Amt aufgeben und übergab den Posten an den Pressewart Volker Kreiskorte. Den Posten des Pressewartes übernahm nun Wolfgang Gaede. Zur Entzerrung der zahlreichen Termine feierten im Herbst 2001 erstmals alle drei Kompanien einen gemeinsamen Kompanieabend. Ausrichter war als Fahnenkompanie die erste Kompanie. Beim Königsball im November überraschte Goldkönig Walter Linnepe den Verein mit einem Scheck über 16.000 D-Mark zur Renovierung des Übungsraumes für den Spielmannszug, denn die alten Baracken am Festplatz gaben nicht mehr den  notwendigen Schutz und waren marode. Sportlich ging es weiter bergauf mit Thomas Linnepe, Lothar Haase und Volker Halbhuber konnten sich drei Schützen für die Deutschen Meisterschaften qualifizieren. Im Jahr 2002 feierte der BSV ein weiteres Jubiläum, denn bereits zum 40. Mal gab es zehn Tage lang auf der Hohen Steinert die „Größte Kirmes des Sauerlandes“. Für die Sportschützen war das Jahr 2002 äußerst erfolgreich, qualifizierten sich doch insgesamt sieben Schützen für die Deutschen Meisterschaften in München. Für das sportliche i-Tüpfelchen sorgte die sehbehinderte Schützin Barbara Küppers, die bei ihrer ersten Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften auf Anhieb mit 588 Ringen den Deutschen Meistertitel für den BSV holte. Diesen Erfolg wiederholten Simone Kolligs (2003), Meline Lischka (2004 und 2007), Barbara Küppers (2005 mit Deutschem Rekord von 589 Ringen und 2006). 2005 und 2007 belegten die BSV-Sehbehinderten sogar die Plätze eins bis drei. Das Jahr 2003 brachte weitere Änderungen im Vorstand. Nach 15 Jahren als Jugendleiter legte Klaus Jeschke sein Amt in jüngere Hände und übergab das Jugendzepter an Carsten Willkomm. Klaus Jeschke wurde als Anerkennung für seine langjährige Vorstandstätigkeit in den Ehrenvorstand berufen. Auch Volker Kreiskorte nahm nach wenigen Jahren Abschied aus dem Vorstand. Sein Amt als Schatzmeister übernahm Hans-Joachim Brüßler. Bei zahlreichen Veranstaltungen und Wettbewerben zeigte auch die BSV-Fahnenschwenker-Gruppe Präsenz. Zu ihrem 40 jährigen Bestehen richteten die Fahnenschwenker im April 2003 die NRW-Landesmeisterschaften aus. Dagegen bedeutete das Jahr 2003 das Aus für den BSV-Spielmannszug. Wie zahlreiche weitere Musikgruppen im heimischen Raum, musste auch der BSV Spielmannszug seine musikalischen Tätigkeiten mangels Nachwuchs einstellen. Im Vorstand wurden 2004 weitere Posten neu besetzt. Falko Nagler stand als stellvertretender Vorsitzender nicht zur Wiederwahl zur Verfügung und wurde durch den bisherigen Geschäftsführer Hans-Günter Markus abgelöst. Dieses Amt übernahm fortan Klaus-Deiter Klotz. Nagler indes wurde zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Im April 2004 brannten die Baracken des BSV auf dem Festplatz bis auf die Grundmauern nieder. Dort, wo sonst der Spielmannszug probte und verschiedene Geräte lagerten, waren nur noch Schutt und Asche. Auch einen Weltrekord verzeichnete der BSV 2004. Die Fahnenschwenkerin Jasmin Horn warf ihre Fahne 7,30 Meter hoch und übertraf damit in der Jugendklasse den bisherigen Weltrekord. Mit einem zweiten Platz bei den Deutschen Meisterschaften im Fahnenschwenken für Christopher Heynemans rundeten die Fahnenschwenker ein gelungenes Jahr ab. Der Weltrekord hielt allerdings nur ein Jahr stand.

Sportleiter Peter Höllermann trat im Sommer 2004 von seinem Amt überraschend zurück. Sein Nachfolger wurde sein Vorgänger. Hans-Georg Ritter übernahm zunächst kommissarisch, später offiziell, das Amt des Sportleiters. Die Schützen machten weiter positiv auf sich aufmerksam. Mit dem Zimmerstutzengewehr errang Volker Halbhuber mit 282 Ringen den neunten Platz. Im Herbst 2004 feierte der Verein das 50jährige Bestehen der Damenschießgruppe mit einem großen Festakt. Die Damenschießgruppe bestand zu diesem

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Zeitpunkt aus über 30 aktiven Frauen. Schon beim Schützenfest im Mai sorgten die Damen mit ihren Vorträgen für Furore. Ende 2004 schloss dann das BSV-Schützenheim für eine Grundsanierung. Mit erheblichem finanziellen Aufwand baute der BSV sein Schützenheim um und bekam ein neues Pächterpaar. Um sich mit dem Umbau und den neuen Ideen des Pächterpaares besser in Lüdenscheid zu etablieren, wurde aus dem Schützenheim das „Restaurant Edelweiß“ und das „Bistro Treffpunkt“. Am 11. März 2005 feierte der BSV mit dem neuen Pächterpaar Peter Scheithauer und Liane Zernig und zahlreichen Gästen eine gelungene Einweihung. Damit waren der Ausbau und die Erweiterung des Schützenheims aber noch nicht vollendet, denn 2006 folgte der Ausbau des Kleinkaliber-Schießstandes, was für das Restaurant eine Terrasse mit sich brachte. Ein großes Problem für die Bürger-Schützen wurde die rückläufige Zahl der Mitglieder. Dies war kein vereinsinternes Problem, sonder betraf alle Schützenvereine über den heimischen Raum hinaus. Amokläufe und Waffenunfälle sorgten für eine Verschärfung des Waffengesetzes, und der Nachwuchs blieb angesichts permanent schlechter Presse über die Sportschützen und Schützenvereine aus. So sank 2005 die Mitgliederzahl des BSV erstmals unter 700 Mitglieder. Ein prachtvolles Schützenfest sollte im Mai 2005 gefeiert werden. Für den Abend des Deutschen Schlagers verpflichtete der BSV eigens Starsängerin Nicole. Doch beim Konzertbeginn kippte ein Lichtmast um und verletzte einige Personen. Das

Konzert wurde sofort abgebrochen. Ursache waren durch fremde Hand entfernt Sicherungsbolzen. Schnelle Retter und das ruhige Verhalten der Gäste verhinderten Schlimmeres. Ein Jahr später kehrte Nicole an die gleiche Stelle zurück und bot ein tolles Konzert im Festzelt. Und wieder ein Jubiläum: Im Juli 2006 fand zum 20. Mal das Matjesfest auf der Hohen Steinert statt. Und immer noch stehen die Lüdenscheider mit Tupper-

Töpfen und Dosen an der Fischtheke Schlange. 2008 und 2009 hieß es bereits am Sonntagmittag „Ausverkauft“. Einen musikalischen Höhepunkt bereitete der Bürger-Schützen-Verein im Januar 2007. Der Marinechor der Schwarzmeerflotte machte im Festsaal Hohe Steinert Station. 450 begeisterte Gäste schwärmten von den Darbietungen der Sänger, Tänzerinnen und Tänzer. Beim darauf folgenden Schützenfest stand der stimmgewaltige Vorstandschor der „BSV-Schwarzbierflotte“ den Sangeskünstlern in nichts nach.

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Bei der Jahreshauptversammlung 2007 stellte sich Bauwart Hans-Dieter Höllermann nach vielen Jahren Vorstandsarbeit nicht mehr zu Wiederwahl.Auch er wurde Ehrenvorstandsmitglied. Nachfolger wurde Willi Boeckem. Nach der Grundsanierung des Schützenheims und dem Anbau einer Terrasse, die somit für eine neue Überdachung des Kleinkaliberschießstandes sorgte, kam im November 2007 unerwartet die sofortige Sperrung des Schießstands durch die Kreispolizeibehörde. Wie viele andere Schießstände in der Region entsprach der Schießstand nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen. Kurzfristig mussten Gelder freigegeben werden, um den Schießsport auf der Hohen Steinert aufrecht zuhalten. Der komplette Schießstand musste auf den neuen Stand gebracht werden. Eine zweite Fluchttür, ein neuer Bodenbelag und neue Verkleidungen der Heizungen und Kugelfänge mussten installiert werden. Nach drei Wochen hieß es dann wieder: „Feuer frei“. 2008 stand ein weiteres Jubiläum auf dem Programm. Seit nunmehr 40 Jahren besuchten sich die Schützen vom Lindenrott aus Stadthagen und vom BSV Lüdenscheid im Wechsel. Eine Treue, die unter Schützen ihresgleichen sucht. Anlässlich des Jubiläums gab es einen Empfang im Rathaus. Doch auch der BSV wurde im Schaumburger Land herzlich empfangen und sorgte auch gleich für ein Novum. Volker Halbhuber traf beim Gästeschildschießen ins Schwarze und war der erste Lüdenscheider, der das Gästeschild gewann. Selbstverständlich reisten die Bürger-Schützen auch 2009 zur Titelverteidigung nach Stadthagen und gewannen erneut. Doch nicht nur zu den Stadthägern hält der BSV Lüdenscheid eine innige Freundschaft. Auch zu den Schützen aus dem bayerischen Druisheim hat sich eine enge Verbundenheit aufgebaut. Dennoch überraschend kam die Anfrage der Druisheimer, die 2011 ebenfalls ihr 100 jähriges Bestehen feiern, Jubiläumspate zu sein. Diese Auszeichnung ist in der bayerischen Region eine große Ehre für Treue und Verbundenheit, die der BSV gerne annahm.er freiwilligen Feuerwehr Attendorn. Leider konnte Walter Linnepe, Ehrenvorsitzender des BSV und einer der größten Persönlichkeiten im Verein, der maßgeblichen Anteil an der Entwicklung des Vereins über viele Jahrzehnte hatte und für den der BSV mehr als ein Verein war, sondern eine Herzensangelegenheit, den 100. Geburtstag „seines“ BSV nicht mehr miterleben. Er verstarb kurz vor dem Jubiläumsjahr im Dezember 2009. Am 23. Januar 2010 begannen dann die offiziellen Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Bürger-Schützen-Verein Lüdenscheid mit einem Vortrag „BSV in Concert – 100 Jahre in Noten und Worten“. Museumsleiter Dr. Eckhard Trox und das Blasorchester der Feuerwehr Attendorn führten mit Nachrichten und Musik aus jedem Jahrzehnt durch das Programm.

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